Rollatorrennen

So bis Mittag ist ja immer Einkaufen für Rentner angesagt. Und da in der Umgebung reichlich Rentnerschließfächer mit Seeblick auf den Acker gezimmert wurden, ist das Vormittagsklientel auch entsprechend sortiert.

Gegenüber der Bäcker ist – sagen wir mal – die Boxengasse für Bürger, die auf einen Rollator angewiesen sind. Wenn jetzt der Fall eintritt, dass mehr als zwei Rollatoren auf dem Weg vom Eingangsbereich zum Bäcker sind, geht das Gehetze los. Man kennt sich und das gemeinsame Ziel. Da man ab einem gewissen Alter ja prinzipiell keine Zeit mehr hat, werden der sportliche Ehrgeiz geweckt, der entweder abgewrackte oder adipöse Körper als auch das Renngerät (Rollator) auf eine harte Probe gestellt.

Man(n) staunt, was aus den Dingern rauszuholen ist. Heute gipfelte solch ein Rennen in einer Art Wunderheilung. Frau A und Frau B stehen quatschend locker 10 Minuten vor dem Einkaufszentrum. Irgendwann verabschieden sie sich überschwenglich, wohl wissend, dass sie sich gleich im Café des Bäckerfachgeschäftes wiedersehen werden. Jetzt gilt es, die Rollatoren schnellstmöglich durch die Drehtür zu schachten und als Erste im Café zu sein, damit der bestmögliche Platz belegt werden kann. Frau A nimmt die linke Drehtür, Frau B die Rechte. Vermutlich ein plumpes Ablenkungsmanöver von Frau B, es hätten durchaus beide Teams in eine Tür gepasst.

Los gehts. Die Schritte werden immer schneller, Frau A hat einen leichten Vorsprung. Wird aber ca. 15 Meter vor dem Ziel böse gefoult – Frau C (rollatorfrei) grüßt und fängt an zu quatschen. Frau A lamentiert, sie hätte keine Zeit. Frau B hat die Gunst der Stunde genutzt und ist locker an Frau A und Frau C vorbeigezogen.

Aber sie hat die Rechnung ohne Frau A gemacht. DIE nämlich lässt den Rollator stehen und wetzt im Stechschritt ins Café, knallt ihre Tasche auf einen freien Tisch und setzt das süsseste Siegerlächeln auf, dass mit mit über 70 haben kann, latscht zurück zum stehengelassenen Renngerät und parkt das Teil artig und korrekt am Tisch ein. Chapeau, Frau A!

Das Leben ist schön. Blöd.

PS: Korrekturlesen fällt aus, wer inhaltliche Zusammenhänge nicht versteht oder sich über Rechtschreibfehler aufregt, soll sich einen Rollator kaufen! 😀

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